Hände weg von Wildtieren
Montag, 7. September 2009
Alljährlich führen falsch verstandene Tierliebe und Unkenntnis der natürlichen Verhaltensweisen von Wildtieren zu großem Tierleid. Ein scheinbar verlassenes, am Wegrand liegendes Rehkitz, oder ein in einer Mulde kauerndes Hasenbaby wecken Beschützerinstinkte und verleiten immer wieder Spaziergänger dazu, diese vermeintlich verwaisten Tiere retten zu wollen.
Doch es ist völlig falsch und unnotwendig, solch ein Jungtier mitzunehmen. Wildtiere weisen ein völlig anderes Verhaltensmuster als Haustiere auf. So können z.B. unsere Hunde ihre Jungen in einem sicheren Umfeld aufziehen und lassen die Welpen in den ersten Lebenswochen so gut wie nie alleine. So normal es für einen Hund ist, Tag und Nacht bei seinen neugeborenen Welpen im Korb zu liegen, so normal – weil instinktiv überlebensnotwendig – ist es für ein Reh, sein Kitz abzulegen und nur zum Säugen (ca. 45 Minuten täglich) wieder aufzusuchen. Dieses angeborene Verhalten dient dem Schutz des Jungtieres, da das Rehkitz, im Unterschied zu seiner Mutter, von Fressfeinden kaum wahrgenommen werden kann. Es hat noch keinen Eigengeruch und kann daher von Feinden nicht gerochen werden. Dies, sowie die spezielle Färbung des Kitzes und der angeborene "Drückinstinkt" – bei Gefahr drückt sich das Kitz fest an den Boden – schützen es vor Entdeckung. Bei Wildhasen verhält es sich ähnlich.
Nur die Sicherheit, dass das Muttertier ums Leben gekommen oder das Jungtier offensichtlich verletzt ist, berechtigt zum Aufziehen in Menschenhand. Alles andere ist ein verbotener Eingriff in die Natur, der bedauerlicherweise häufig mit dem Tod des Jungtieres endet.
Dr. Marina Zuzzi-KrebitzTierschutzombudsfrau Land Kärnten
Quelle: ZEiT FÜR KÄRNTEN



